Datenschutz für Mobile Mapping

Anbieter von Mobile Mapping müssen sich der Datenschutzgesetze (z.B. DSGVO), der öffentlichen Wahrnehmung und ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein. Hier sind die Fakten.


06 July 2020, by Mario Sabatino Riontino


Abbildung 1: Beispiel eines verpixelten Straßen-Panoramas einer Mobile Mapping Befahrung mit Trimble MX9, © STRABAG AG
Abbildung 1: Beispiel eines verpixelten Straßen-Panoramas einer Mobile Mapping Befahrung mit Trimble MX9, © STRABAG AG

Unter Mobile Mapping versteht man die Erfassung von Geodaten mittels einer mobilen Plattform (z.B. Fahrzeug oder Drohne), die typischerweise mit einer Reihe von Foto-, Radar-, Laser-, LiDAR- oder anderen Fernerkundungssystemen ausgestattet ist. Die primäre Ausgabe solcher Systeme umfasst GIS-Daten, 3D-Modelle, digitale Karten, Straßen- und Luftbilder. Die letzten Beiden bilden oftmals Gesichter, Körper und Nummernschilder ab.

Mobile Mapping und persönliche Daten

Art. 4 der DSGVO definiert "personenbezogene Daten" als:

...alle Informationen über eine bestimmte oder bestimmbare natürliche Person ("betroffene Person"); als bestimmbar wird eine natürliche Person angesehen, die direkt oder indirekt identifiziert werden kann, insbesondere durch Zuordnung zu einer Kennung wie einem Namen, einer Kennnummer, Standortdaten, einer Online-Kennung oder zu einem oder mehreren spezifischen Elementen, die Ausdruck der physischen, physiologischen, genetischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität dieser natürlichen Person sind.

Wenn man bedenkt, dass Gesicht und Körper die fundamentalsten und am deutlichsten sichtbaren Elemente unserer Identität sind, fallen sie unter die Definition der personenbezogenen Daten. In ähnlicher Weise können KFZ-Kennzeichen verwendet werden, um die Identität einer Person festzustellen. Daher sind besondere Maßnahmen erforderlich, um die gesetzlichen Normen einzuhalten.

Die meisten Datenschutzgesetze in verschiedensten Ländern und Regionen basieren auf Einwilligung, d.h. sie erfordern die ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Person. Es erscheint naheliegend zunächst nur die Einwilligung einzuholen. Wenn man jedoch große Bildmengen erfasst, wird es zeitaufwändig und kostspielig, die ausdrückliche Zustimmung von Hunderttausenden oder sogar Millionen von Personen einzuholen.

Nach Erwägungsgrund 26, regelt die Datenschutz-Grundverordnung "daher nicht die Verarbeitung solcher anonymen Daten, auch nicht für statistische oder Forschungszwecke", wobei anonymisierte Daten definiert werden als "Daten, die in einer Weise anonymisiert wurden, dass die betroffene Person nicht oder nicht mehr identifizierbar ist".

Wenn Daten anonymisiert werden, ist keine Zustimmung erforderlich.

Anonymisierung für Mobile Mapping

Anonymisierung ist eine bessere Lösung, weil sie die Privatsphäre schützt und gleichzeitig die Betriebskosten drastisch senkt. Folgende Methoden werden aktuell am Häufigsten verwendet, wenn Bilder- und Videos anonymisiert werden sollen:

  • Maskierung (Teilbild 2)
  • Verpixeln (Teilbild 3)
  • Unschärfe (Teilbild 4)
  • Ersatz (Teilbild 5)

Abbildung 2: Anonymisierungsmethoden angewandt auf ein Bild von Rowan Atkinson, https://arxiv.org/pdf/1909.04538.pdf
Abbildung 2: Anonymisierungsmethoden angewandt auf ein Bild von Rowan Atkinson, https://arxiv.org/pdf/1909.04538.pdf

Unter ihnen hat sich Unscharfmachen (Blurring) als de-facto Standard durchgesetzt. Tatsächlich nutzen Unternehmen wie Google, Microsoft und Apple diese Methode, um die Privatsphäre von Personen zu schützen.

Celantur bietet eine DSGVO-konforme Lösung zur automatischen Anonymisierung großer Mengen von Bilder und Videos unter Verwendung von Deep Learning und einer skalierbaren Cloud Architektur. Dabei anonymisieren wir persönliche Daten wie Gesichter, Körper, KFZ-Kennzeichen und Fahrzeuge.

Abbildung 3: Anonymisierte Fußgänger auf Mobile Mapping-Bilder, aufgenommen mit GeoSLAM ZEB Discovery, © Open Innovation Center GmbH
Abbildung 3: Anonymisierte Fußgänger auf Mobile Mapping-Bilder, aufgenommen mit GeoSLAM ZEB Discovery, © Open Innovation Center GmbH

Unser Produkt wurde speziell für Mobile Mapping entwickelt und unterstützt eine Vielzahl von Mobile Mapping Systeme:

  • Trimble MX9
  • Trimble MX 7
  • Leica Pegasus:Two
  • GeoSLAM ZEB Discovery
  • NavVis VLX
  • uvm.

Celantur liefert höchste Qualität und Skalierbarkeit und ist offen für die Integration mit Systemen von Drittanbietern.

Datenschutz: Kosten und Implikationen

Laut Deloitte sind sich fast 78 % der europäischen Bürger ihres Rechts auf Privatsphäre bewusst.

Darüber hinaus sollten sich Unternehmen, wie von Datagrail gefordert, darauf einstellen, etwa eine Anfrage pro 5.000 - 10.000 erfassten Personen pro Jahr zu bearbeiten.

Die manuelle Bearbeitung einer großen Anzahl von Datenschutzanfragen kann rund €1.289,30 pro Anfrage kosten.

Ein weiteres Risiko sind Strafen. Im vergangenen Jahr hatte die schwedische Datenschutzbehörde (DPA) die Schulbehörde des Gymnasiums Skellefteå zu einer Geldstrafe von 200.000 SEK (ca. 18.600 Euro) verurteilt, weil sie eine Gesichtserkennungstechnologie eingesetzt hatte, um die Anwesenheit von 22 Schülern im dreiwöchigen Unterricht zu überprüfen.

Insbesondere hob die Datenschutzbehörde hervor, dass die Schule gegen mehrere Artikel der Allgemeinen Datenschutzverordnung verstoßen habe, darunter:

  • Artikel 5 für die Verarbeitung personenbezogener Daten, die über die Anforderungen hinausgeht
  • Artikel 9 für die Verarbeitung biometrischer Daten ohne triftigen Grund
  • Artikel 35 für das Versäumnis, eine Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA) durchzuführen
  • Artikel 36 für das Versäumnis, vor der Verarbeitung personenbezogener Daten die Datenschutzbehörde zu konsultieren

Warum ist eine kleine Geldstrafe, die an eine abgelegene Stadt erteilt wird, wichtig? Weil sie zeigt, dass Sie sich, um eine Mobile Mapping-Lösung erfolgreich und nachhaltig zu betreiben, auf eine sinnvolle Zustimmung oder Anonymisierung konzentrieren müssen, um eine sichere und gesetzeskonforme Nutzung zu gewährleisten.

Soziale Verantwortung & öffentliche Wahrnehmung

Auf Autos und Drohnen montierte Mobile Mapping Geräte werden von der Öffentlichkeit nicht immer positiv wahrgenommen. Tatsächlich sehen laut der European Aviation Safety Agency (EASA) 40% der Befragten Drohnen negativ. Sicherheit, Privatsphäre und Umwelt sind die Hauptanliegen für die gesellschaftliche Akzeptanz.

In einigen Ländern können sich Fußgänger beobachtet und überwacht fühlen, wenn sie ein Mobile Mapping-Fahrzeug in der Öffentlichkeit sehen.

Datenschutz ist ein Hauptfaktor für gesellschaftliche Akzeptanz.

Als Google im August 2010 ankündigte, die Straßen der 20 größten deutschen Städte bis Ende des Jahres zu kartografieren, war die Empörung groß. Einige von Googles Kamerawagen wurden mutwillig zerstört. Ein 70-jähriger Österreicher, der sich nicht fotografieren lassen wollte, bedrohte den Fahrer eines solchen Wagens mit einer Spitzhacke.

Insgesamt kann dies dem Unternehmen schweren PR-Schaden zufügen. Aus diesem Grund ist der Datenschutz nicht nur eine Frage der Gesetzgebung, sondern auch eine ethische Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft.

Eine gute Praxis, um eine solche Möglichkeit zu verhindern, ist das sogenannte "privacy by design": Unternehmen und Organisationen setzen technische und organisatorische Maßnahmen (z.B. Anonymisierung) in den frühesten Stadien der Produkt-/Betriebsgestaltung so um, dass die Grundsätze des Schutzes der Privatsphäre und des Datenschutzes von Anfang an gewahrt bleiben.

Dies ist der erste Blog-Beitrag einer Serie. Wenn Sie an einer Mobile-Mapping-Lösung arbeiten, zögern Sie nicht, sich für eine kostenlose Beratung per E-Mail mit uns in Verbindung zu setzen.

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